| Erlebtes |
|
Die Sehnsucht nach der Rückkehr des Glücks 7. Februar 2010 Als 16-jährigesMädchen sass ich mit meinen ersten selbstgekauften Schuhen - es waren weisseBallerinas - auf einer Bank auf der Solothurner Chantierwiese. Zur gleichen Zeitblühten ebenso weiss die Maiglöckchen. Welch wunderbares Gefühl: Das Leben beginnt! Als junger Mensch kennt man keinGefühl des Älter-Seins, des verpassten Lebens oder der Sehnsucht nach der altenZeit. Das Frühlingsgefühl der Jugend ist forsch und strebt nach vorne in dieZukunft. Doch mit jedem Lebensjahr vergeht die Zeit schneller undschneller. Das weisse Feld, das vor einem liegt, wird immer kleiner und das, wasdahinter liegt, ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Und eines Tages ist es da,das wehmütige Gefühl der Sehnsucht nach der vergangenen Jugendfrische, nach demGefühl des Beginns, wo das Leben noch alles für uns offen hielt. Dort, wo süsse und laue Maiendüfte wehn, da möchten wir jetzt verweilen gern... Zuhause sangen wir oft das Lied ‚D'Zytisch do‘ des Solothurner Dichters Joseph Reinhart mit dem bekanntenRefrain: „Dört uf em Schlehdornhag, singt's, was es singe mag: S'isch Maietag,s'isch Maietag!" Noch heute erinnernmich die Maiglöcken in Mutters Garten an jene vergangenen Zeiten seligenZusammenseins und der Jugend. Eine Legende besagt, daß dasMaiglöckchen dort entstanden ist, wo Maria neben dem Kreuz ihre Tränen vergoss. Vondaher stammen die Namen "Frauen- oder Marientränen" und deshalbgehört es zu den Marienblumen, als christliches Symbol des Heils. Nach germanischem Brauch wurden auf das Grab eines verstorbenen Liebespartners Maiglöcken gepflanzt. Das Maiglöckchenist eine robuste Pflanze, die jedes Jahr wieder ganz neu aus der Erde wächst.Die Hoffnung, dass das Glück einstwiederkehrt, findet in diesem Blümchen seinen passenden Ausdruck. Den Mai vergangener Jugendtage müssenwir ziehen lassen. Auch viele Momente des Glücks gehören längst derVergangenheit an. Aber das Betrachten des Maiglöckchens mit seinem betörendenDuft weckt eine wunderbare Hoffnungdarauf, dass wir dieses maienhafte Glücksgefühl im himmlischen Paradiesgarten einstwiederfinden. Dort, wo wir mit allemwieder verbunden werden, was wir verloren haben und wo uns alles erwartet, von dem wir jegetrennt worden sind.
Alles neu macht der Mai,Macht die Seele frisch und freiLaßt das Haus, kommt hinaus, H. Adam v. Kamp, 1818 (1796-1867)
Die zugefallene Katze Laufen, an einem Samstag Nachmittag anfang Dezember 2008: Um 16 Uhr hatte ich einen Besichtigungstermin für eine Dachwohnung. Noch hatte ich einen halbe Stunde Zeit. Was tun? Ich schau mal schnell in den Schuhladen rein, dachte ich. Hätte ich damals gewusst, dass diese spontane Idee mein Leben in eine unerwartete Richtung leiten sollte? Im Schuhgeschäft lag eine Katze zusammengekauert hinter einem Regal. Ein herziges weisses Büsi mit schwarzen und rotbraunen Flecken. Eine Glückskatze nennt der Volksmund dies. Ich streichelte das Tierchen und merkte, dass etwas nicht stimmt. Die Verkäuferinnen waren ganz aufgeregt. Das Tier kommt schon den ganzen Tag bei uns rein. immer wenn wir es wieder nach draussen bringen, kommt es zurück. Und um 16 Uhr müssen wir schliessen. Was sollen wir tun? - Ich nehme die Katze mit, sagte ich ohne zu denken. Für mich war das sonnenklar. Doch wohin sollte ich sie mitnehmen? Ich hatte ja im Moment gar keine eigene Wohnung und logierte seit einigen Monaten provisorisch in einem Pfarrbüro. Schnell ging ich noch vor Ladenschluss im Stedtli einkaufen: Katzenfutter, Katzenklo und -streu. Die Verkäuferin brachte mir das Tier ins Kirchgemeindehaus hinüber. Wie wild fiel es über das Futter her. Ich machte ihm eine Decke zum Liegen bereit und ging zur Wohnungsbesichtigung.
Ihnen würden wir die Wohnung geben, doch Katzen sind nicht erlaubt, sagte die Vermieterin. Was für eine Gelegenheit. In der Altstadt von Laufen gibt es kaum Dachwohnungen mit Dachterasse und Parkplatz! In den nächsten Tagen hoffte ich, den Besitzer der Katze zu finden. Ich verteilte überall Plakate mit einem Foto, ging zum Tierarzt, machte eine Suchmeldung. Doch niemand meldete sich. Jeden morgen um 6 Uhr war ich bereits im Kirchgemeindehaus, um nach der Katze zu sehen. Nach einer Woche konnte ich sie nicht mehr dort lassen, denn es fanden zahlreiche Vereinsanlässe statt. Die Wohnung hatte ich übrigens inzwischen abgesagt. Die Entscheidung hatte mich unendlich viel Energie gekostet. Ich war total fertig. Nun, wenn man nicht wirklich ja sagen kann, muss man einfach nein sagen. Und zwar am besten gleich. Das hatte ich daraus gelernt.
Ich fand ein vorübergehendes Domizil im Haus einer Kirchenrätin an der Delsbergerstrasse: So führte mich Meiti an einen Ort, an dem ich schon immer leben wollte. Auf dem Land in idyllischer Umgebung, wo Fuchs und Hase einander Gutenacht sagen und am Abend die Grillen konzertieren und die Fledermäuse um die Mauern segeln. Meiti geniesst es hier in vollen Zügen. Dieses Tierchen hat auch mir Ruhe gebracht. Es liegt nicht mehr drin, dass ich an zwei, drei Orten wohne. Alle drei Tage alles packe und verrreise. Ich war gewzungen, an einem Ort zu bleiben und mich von dort aus zu organisieren. Nicht nur für Meiti, auch für mich ist das eine wunderbare Lösung. Heute bin ich froh, dass ich die Dachwohnung ausgeschlagen habe. Wäre Meiti eine halbe Stunde vor der Besichtigung nicht in mein Leben getreten, würde ich wohl dort jetzt schwitzen und mich eingeengt fühlen. Einige Leute im Stedtli sagten mir, dass Meiti auch bei ihnen ein Heim gesucht hättee. Überall wollte es rein, doch es klappte nirgends. Auch ich suchte seit Monaten eine Wohnung, einmal mehr in meinem Leben. So trafen wir uns am Ende im Schuhgeschäft. Jetzt teilen wir uns ein wunderschönes Heim:
Es ist zwar auch nur provisorisch, aber was im Leben ist schon von Dauer?
Ein Mann sagte mir neulich, als ich ihm die Geschichte erzählte: Das war bestimmt alles kein Zufall! (Nachtrag: 11 Monate später sind Meiti und ich weiter gezogen. Wir wohnen in einer alten Mühle hinter den blauen Bergen am Ende des Landes...)
Ich heisse Lilo 20. November 2008
Die Automatische Schiebetüre öffnete sich und ich wollte den Laden betreten. Doch da stand dieses alte Mütterchen mit Stock. 'Bitte nach Ihnen' sagte ich zu ihr. Sie sprach mich auf hochdeutsch an: "Iich suche jemand, der mich zu der Miigros bringt'. - Ich kam gerade von der Mirgros. Nun denn, ich bot ihr an, sie zu der Migros zu bringen. Sofort hängte mir die alte Dame ein und liess sich von mir führen. Ich fragte sie: "Und was ist, wenn Sie in der Migros fertig sind? Wie kommen Sie weiter?" Sie hielt inne, zwickte mich leicht am Arm, blickte mich schelmisch an und meinte: " Na eben: So!" Ich musste lachen."Das fragen alle", fügte sie noch lächelnd hinzu. Wir gingen weiter, die Migros schien unendlich weit entfernt. Ich wollte sie nicht drängen und liess etwas mit der Geschwindigkeit nach. Sofort reagierte sie darauf: " He, ich kann denn schon noch etwas schneller...". Also legte ich wieder etwas zu. Auf einmal sagte sie: "Ich bin die Lilo und wie heisst du?" Wie ein kleines Mädchen, wie reizend. "Ich heisse Denise". Sie lächelte mich warm an: So. Und jetzt haben wir uns heute getroffen!' Sie wollte ins Migros-Restaurant. Ich drückte den Liftknopf für sie, die Türe öffnete sich und ein älterer Herr betrat den Lift. Ich verabschiedete Lilo freundlich und wünschte ihr einen schönen Tag. Sie streckte mir ihr Gesicht entgegen und wollte, dass ich sie küsse. Das war mir nun doch etwas zu viel Nähe und ich strich ihr nur kurz über den Arm. Dem Herrn nickte ich vielsagend zu, denn ich wusste ja, was ihm bevorstand... Wie ein kleines Mädchen, dachte ich. Ich ging wieder am Laden vorbei, wo ich Lilo traf. Da fragte ich die Verkäuferin, ob sie diese alte Dame kenne. Denn ich wolte sicher gehen, dass sie nicht irgendwo ausgebüxt war und sicher wieder nach Hause kam. Die Frau sagte: Ach ja, dieses alte Mütterfchen ist schon 97. Die kommt öfters hierher. Die ist noch ganz selbstständig und lebt allein in einer Wohnung. Bankenkrise 10. Oktober 2008, Luzern
Heute lief es in der Luzerner Kantonalbank wie in einem Bienenhaus. Nach 20Minuten Schlangestehen wurde endlich ein Schalter frei. Bevor ich ein Wortsagen konnte, sagte der sympathische ältere Kundenberater zu mir: "Wollen Sie etwa auch einen Goldbarren?" " Nein, eigentlich nicht",antwortete ich, - sein Gesichtsausdruck entspannte sich merklich..." aberwenn Sie schon fragen: " Gibt es noch welche?" - "NEIN, wir sindkomplett ausverkauft!!!"Als er daraufhin mein Geschäft abwickelte, kammir das Gleichnis von Jesus und den Talenten in den Sinn. Er vergleicht Gott miteinem reichen Mann, der sein Geld an seine Arbeiter verteilt, damit sie -während er auf einer Reise ist - etwas damit erwirtschaften. Dem ersten gab er10 Talente (Silbergeld), dem zweiten 5 und dem letzten 1 Talent. Dieser vergrub es inder Erde, weil er Angst hatte, es zu verlieren. Die ersten beidenerwirtschafteten Gewinn mit dem Einsatz des Herrn. Als er zurückkam, verlangte er Rechenschaft von seinenVermögensverwaltern. Mit den ersten beiden war er überaus zufrieden und er belohnte sie. Mit demletzten war er nicht zufrieden. Der war ganz erstaunt darüber. Immerhin hatte er den Einsatzdes Herrn nicht verloren, sondern gab ihn 1:1 zurück.
See-Katzen
26. August 2008, Ermatingen Es gibt eingeistiges Gesetz, das heisst das Gesetz der Affinität oder zu deutsch: DasGesetz der Anziehung. Dies besagt, dass gleiches von gleichem angezogen wird.Ich ziehe Katzen an.
Überall, woich einziehe, wohne oder arbeite: Innert 1-2 Tagen gesellt sich eine Katze zumir. So auch wieder gestern 2 Fälle (die anderen erzähle ich dann vielleicht spätermal): Episode Nr. 1: Ich liege zum ersten Mal an einem neuen Platz am See. Nachca. 15 Minuten macht es hinter mir Miau. Und da lag der grauweisse Kater auchschon auf meinem Badetuch und putzte sich fein heraus, um sich nachhergenüsslich zu räkeln und einzuschlafen. Ich lief schnell in meine Wohnung, umden Fotoapparat zu holen, doch in der Hitze des Gefechtes, fiel er mir aus derTasche in den See - und versank in den lieblich hin und herschwimmendenKlein-Fischli. Nun denn, mit einem Satz holte ich ihn wieder aus dem See, aberdie Hoffnung ist klein, dass er je wieder funktionieren wird. Das ist also derGrund, warum ich hier KEIN Foto von dem grauweissen Kater liefern kann.
P.S. Die Kamera funktioniert wieder. Hier der Liege-Wiesen-Kater:
6. August 2008
Noch vor Sonnenaufgang bin ich heute Morgen direkt vom Bett in den See gesprungen. Das Wasser lag schwarz und still. Ein Blesshuhn-Paar fütterte emsig ihr Junges und ein Fischer warf in der Ferne ein Netz aus, stehend auf seinem kleinen Boot. Der Himmel kündigte bereits das Licht der Sonne an. Die Frische des morgendlichen Untersees umhüllte meinen Körper und auch meinen Geist. Wie heilsam, dachte ich. Warum bringen wir die kranken und sterbenden Menschen nicht an einen solch heilen Ort? Ich liess mich auf der Ufermauer von der frischen Morgenbrise trocknen und blickte in Richtung Sonnenaufgang. Plötzlich tauchen die ersten Strahlen auf, als ob sie aus der Berührung von Himmel, Wasser und Erde entspringen würden - der Insel Reichenau. Die ‚reiche Au‘, wie der Name sagt, ist ein fruchtbares Erd-Wasserland. Gemüse, Früchte und Blumen wachsen dort in reicher Fülle. Hier schenkt die Mutter Erde ein wahres Füllhorn guter Gaben. Gegenüber der Reichenau liegt die Halbinsel Horn (auf Dialekt: Höri) mit der Ortschaft Gaienhofen. Eine Frau erzählte mir: Als Gott diesen Teil der Welt erschaffen hatte, und er sah, wie wunderschön es hier geworden war, habe er gesagt: Jetzt ‚hör i‘. Schöner kann es nicht mehr werden. Dort weilte oft und gern der Dichter Hermann Hesse, der schrieb: "Die Landschaft des Untersees wird mir zeitlebens fehlen, es sprechen an wenigen Orten so stark wie hier zu jedem Fenster herein See, Wald, Himmel und Wiese zu mir. Und ich meine schon im Voraus zu fühlen, wie der Anblick des weiten Wassers, über dem alle Lufterscheinungen so rein und farbig wirken, mir später überall fehlen wird..." Ich war gerade dabei, diesen Text in mein Labtop zu tippen, als ich draussen einen brüllenden Kater näher kommen hörte. Auf einmal steht die mir fremde schwarze Katze in der offenen Terassentüre und miaut mich fordernd an. Sie betritt den Raum in einer Selbstverständlichkeit, als ob hier längst ihr, oder vielmehr: sein Zuhause, sei. Ich kraulte ihn und versprach, heute noch Katzenfutter zu besorgen. Woraufhin er nach einer Weile vergnügt abzottelte. So ein Morgen, so ein Ort, so eine Natur. Wie viele gute Gründe wir doch haben, dankbar zu sein. Meistens sehen wir unser Leben und unsere Welt durch eine Brille des Mangels. Wir blicken auf das, was wir nicht haben und sehen nicht, wie reich wir bereits beschenkt sind. Wer hat, dem wird gegeben, sagt Jesus. Wahrlich: Wenn ich mein Leben durch die Brille der Fülle und der Dankbarkeit betrachte, dann wird mir alles geschenkt, was ich brauche und noch viel mehr. In der Thurgauer Zeitung äussern sich in der Serie ‚Glücklich im Thurgau‘ Menschen über ihre Glücksmomente. Heute tut dies Hans Eberhart, 85, der in einem Alterszentrum lebt. Er sagt: Die einen hier sind immer fröhlich und die anderen haben immer etwas zu meckern. Man müsse halt auch etwas tun fürs Glücklichsein, meint er. Und: „ Man darf nicht einfach darauf warten, dass alles vom Himmel herabkommt." - Ich meine: Mach einen Schritt in Richtung Himmel und seine Fülle kommt dir entgegen. Oder anders ausgedrückt: Nur wenn du in den See springst, kannst du die Frische des Wassers spüren.
Ruhe vor dem Sturm: Die Reichenau von Berlingen aus betrachtet (Foto: Dagmar Bodmer ) |

